30-Jahre - Fest in der ARCHE: „Akzeptanz könnte besser sein“

 

35030 Jahre FSF: Redner würdigten das erfolgreiche Wirken der Aktion um Inge Grein-Feil

 DISCHINGEN. Dass Inge Grein-Feil wenig Verlegenheit zeigt, wenn es darum geht, Menschen für den guten Zweck einzuspannen, hat sie in der Vergangenheit tausendfach bewiesen. Zur Feier des 30. Geburtstages der Aktion „Freunde schaffen Freude" setzte sie einen drauf und ließ am Sonntag die Bundeswehr mi Schwerem Gerät vor der ARCHE aufmarschieren.

Oberstleutnant Jürgen Schweiger eine Soldaten vom Dillinger Führungsunterstützungsbataillon 292 brachten hier eine Gulaschkanone in Stellung. 120 leckere, vor allem aber scharfe Portionen wurden den Festgästee zum Mittagessen kredenzt.

Diese hatten die kulinarische Stärkung nach dem Gottesdienst von Pfarrer Dr. Dietmar Horst Schließlich bitter nötig. Der Seelsorger hatte zuvor bereits für die egeiitliche Stärkung der Freunde gesorgt.

Auch Bernd Bernd Hitzler, seines Zeichens der „Altschultes" von Dischingen, und Alfons Jaki, der amtierende Bürgermeister der Härtsfeldgemeinde, versammelten sich um den Gulaschtopf. Letzterer hatte sogar einen Scheck in der Tasche – und Leute, die Geld ins Haus bringen sind bei Inge Grein-Feil grundsätzlich gern  gesehene Gäste

Bernd Hitzler zeigte sich in Geburtstagsansprache stolz auf die Dischinger Vorzeigeeinrichtung, erinnerte aber auch an die schwierigen Anfangszeiten. Zunächst einmal seien die Härtsfelder mit dem Projektt „Arche“ ziemlich überfordert gewesen. Integration von Behinderten - schön und gut, aber wieso gerade bei uns? Eine Begegnungsstätte für Menschen mit seelischer oder körperlicher Beeinträchtigung – sicherlich auch wichtig, aber wieso auf dem Dorf? So oder so ähnlich lauteten damals die Stimmen.

Mittlerweile haben sich die Dischinger an ihre Arche und vor allem auch an die Sturheit gewöhnt, die Bootsführerin Grein-Feil an den Tag legen kann, wenn es ihr um eine wichtige Sache geht. „Die Akzeptanz könnte allerdings auch noch besser sein“, meinte Hitzler und deutete damit darauf hin, dass die Arbeit der Freunde auch in Zukunft nicht .leichter werden wird.

Bürgermeister Alfons Jakl machte indes deutlich, dass ihm die Arche mindestens ebenso bedeutsam geworden sei und am Herzen liege wie seinem Amtsvorgänger. Nicht nur wegen der sozialen Arbeit, die hier geleistet würde, sondern auch wegen der kulturellen. So habe das Kulturprogramm der Dischinger Arche den Ort weit über den lokalen Rahmen hinaus im gesamten Umfeld bekannt ge­macht. Womit der Bürgermeister zweifelsohne Recht hat. Denn ein Kabarettist wie der verstorbene, aber unvergessene Dieter Hildebrandt trat sicherlich nicht überall auf, in der Arche aber schon.

Inge Grein-Feil kam auch mal wieder selbst zu Wort: „Niemals hätten sich Siggi und ich und eine   Handvoll   persönlicher Freunde im Jahr 1984 vorstellen können, dass wir einmal 30-jähriges Bestehen feiern - schon gar nicht, dass ich da noch höchstpersönlich aktiv bin.“ Doch mehr denn je ist Grein-Feil davon überzeugt, „dass unser Grundgedanke des inklusiven, menschenwürdigen Miteinanders, eingebettet in unsere Leitgedanken, in heutiger Zeit und in Zukunft immer dringlicher in die Tat umgesetzt werden muss.“

„Wer sich auf die Begegnung mit dem Leid einlässt“, so Grein-Feil weiter, „dem geht die Arbeit nie aus. So treiben uns stets neue Pläne und Ideen um. Und wir können nur hoffen, dass es immer wieder Menschen gibt, die mit mir von meiner Lieblingsaussage von George Bernhard Shaw überzeugt sind: Wir brauchen mehr Verrückte. Seht doch, wohin uns die Normalen gebracht haben.“ In diesem Sinne wurde in der Arche am Sonntag noch lange bei Kaffee und Kuchen gefeiert.

HOLGER SCHEERER – Heidenheimer Zeitung

DILLINGEN: „Wie ein Rettungsanker in stürmischer See“

Inge Grein-Feil, Initiator, Gründungsvorsitzende, Motor und Seele des Vereins „Freunde schaffen Freude" hat gleich dreifachen Grund zur Freude. Am vergangenen Montag feierte sie Geburtstag, und das mitten unter Freunden, denn die Aktion beging ihr 30. Jubiläum der Dillinger Gruppe. Und demnächst wird Inge Grein-Feil auch noch von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen, „zwei Große unter sich", wie ein Besucher scherzhaft anmerkte.

In gewohnt launiger Form blickte Grein-Feil im Provinzialat von Regens Wagner in Dillingen nach einem Dankgottesdienst mit Direktor Rainer Remmele auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurück. Im Bei sein -von Stadtpfarrer Wolfgang Schneck sowie Vertretern von Regens Wagner und der Lebenshilfe sowie von Bankvorstand Rainer Hönl und von Hildegard Wanner erinnerte sie sich an die Anfänge, als sie gemeinsam mit Freunden einer Frau, die im ersten Stock eines Hauses im Rollstuhl ihr Leben fristete, für 27000 Mark einen Treppenlift kauften. Unter dem Motto „Gemeinsam sind auch Schwache stark" konnte das schier Unmögliche geschafft werden. Inge Grein-Feil: „Gemeinsam sind Schwache tatsächlich stärker als man annimmt -und wenn sich noch ein paar starke Helfer aus kirchlichen, kommunalen und sozialen Einrichtungen, aus Wirtschaft und Kultur dazugesellen und die anvertrauten Menschen und Dinge und sich selber dem lieben Gott anvertrauen - ja, dann lässt sich mancher Berg versetzen und vieles erreichen."

Zunächst über der bayerischen Grenze in Dischingen gegründet, ertönte schon früh der Ruf nach einer eigenen Gruppe in Dillingen, die sich an unterschiedlichen Stellen regelmäßig traf, derzeit in Theos Schlosswache, und von Michael Herzog und Conny Bottyen geleitet wird. Den beiden galt der besondere Dank der Vorsitzenden. Die Rednerin betonte, dass man sich nicht als Konkurrenz zu bestehenden Grup­pierungen verstehe, sondern als gute Ergänzung: „Lieber helfen einem Menschen in Not mehrere als gar niemand." Grein-Feil zeigte sich überzeugt, dass der Grundgedanke der Aktion „Inklusives, menschenwürdiges Miteinander" in Zukunft immer dringlicher in die Tat umgesetzt werden müsse: „Wer sich auf die Begegnung mit dem Leid einlässt, dem geht die Arbeit niemals aus."

Landratsstellvertreter Alfred Schneid würdigte die wegweisende Tätigkeit der Vorsitzenden und sagte: „Was wären die »Freunde' ohne Inge Grein-Feil." Mit ihrer Tatkraft sei sie vor 30 Jahren „ihrer Zeit voraus" gewesen. Schneid umriss die Herausforderung nicht nur für den Verein der „Freunde": „Die Menschen würden älter, die Familienbande lockerer, da wird es viel Einsamkeit geben." Die von der Aktion vorgelebten Werte Solidarität und Mitmenschlichkeit seien da gefragt. Inge Grein-Feil sei zu Recht mit der „Silberdistel" unserer Zeitung für ihr vorbildliches Wirken ausgezeichnet worden.

Oberbürgermeister Frank Kunz bekräftigte dies und sagte mit Blick auf Inge Grein-Feil: „Sie sind das Gesicht der Aktion ,Freunde schaffen Freude'." Kunz bezeichnete sie als  „wahren  Leuchtturm  der Menschlichkeit, der weit über die Grenzen Ihrer Heimat auch in unsere Region strahlt." Kunz betonte, dass jeder von heute auf morgen durch einen Unfall oder eine Diag­nose, eine Entscheidung, eine Er­kenntnis oder schlicht eine Verkettung unglücklicher Umstände urplötzlich auf Unterstützung und Hilfe anderer angewiesen sein könne. In solch einer Situation sei die Hilfe anderer, wie sie die „Freunde" seit 340 Jahren leisteten „wie ein Rettungsanker in stürmischer See".

Den geselligen Abend untermalten musikalisch Heiner Ferner und Paula Stadtrecher mit Zither und Akkordeon und auf seine bekannt schwäbisch-schlagfertige Art Kabarettist Wolfgang Danner.

„Sie sind das Gesicht der Aktion »Freunde schaffen Freude."

Frank Kunz zu Inge Grein-Feil

 

VON PETER VON NEUBECK - Donau-Zeitung Dillingen


Festakt für die Aalener »Freunde«

Die Aktion von Inge Grein-Feil feiert in Aalen ihr 30-jähriges Jubiläum mit vielen Gästen und Grußworten

Energiegeladen ist sie, das Herz am rechten Fleck und mit einem erfrischenden Plauderton unterwegs, der begeistern und mitreißen kann: Inge Grein-Feil blickt auf 30 Jahre mit dem Verein „Freunde schaffen Freude" zurück. Das Jubiläum wurde jetzt im Haus der Sozialarbeit des DRK in Aalen gefeiert.

Aalen. Die Wurzeln liegen in Aalen, aber bis nach Heidenheim, Dillingen und Dischingen reichen mittlerweile die Freundschaften, die auf das Konto von Inge Grein-Feil und ihrem Team gehen. Damals selbst schwer erkrankt, ruft sie die Aktion „Freunde schaffen Freude" ins Leben und gibt damit den Startschuss für eine bis heute andauernde Lebenshilfe für Menschen mit mal mehr, mal weniger starken Einschränkungen. „Wir hatten es am Anfang nicht leicht, denn bestehende Gruppen sahen uns als Konkurrenz", sagt die quirlige Aalenerin. Dass sie sich aber davon nicht hat unterkriegen lassen, ist zum einen ihrem unermüdlichen Ehrgeiz geschuldet, zum anderen aber auch dem Team, das neben ihrem Mann an ihrer Seite ist. „Wir sehen uns aber als Ergänzung und nicht als Ersatz, bekräftigt Grein-Feil und legt nahe, dass, wer sich mit dem Leid einlässt, niemals die Arbeit ausgehe. Sorgen bereiten ihr allerdings zurzeit die fehlenden ehrenamtlichen Helfer für den Fahrdienst. Trotz der beispiellosen Hilfe des DRK mit Fahrzeugen, mangele es an Freiwilligen. Dennoch blickt sie optimistisch in die Zukunft.

Mit der Arche in Dischingen und der Dillinger Gruppe ist das Jubiläum bereits gefeiert worden. Am 17. November sind die Heidenheimer dran.

Vertreter aus Politik, Wirtschaft und den Kirchen übermitteln ihre Grußworte an diesem Abend in Aalen. Angeführt von Landrat Klaus Pavel, gefolgt von Bürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher, dem Leiter des DRK Aalen, Matthias Wagner sowie Dekan Dr. Pius Angstenberger und Pfarrer Bernhard Richter. Sie alle heben das soziale Engagement, die Herzenswärme und die guttuende Begegnung des Vereins hervor.

Der Aalener Treffleiter, Sozialpädagoge Wolfgang Klaschka und seine Stellvertreterin Alexandra Argauer, hatten das Haus der Sozialarbeit fürs Jubelfest hergerichtet. Zudem trat auch Illusionist „Amadeus" auf, es wurde gesungen und Gedichte vorgetragen.

UWE GLOWIENKE/SchwäPo

 

HEIDENHEIM: „Lachen, auch wenn es weh tut“

 Initiative „Freunde schaffen Freude“ feiert 30-jähriges Bestehen

„Gemeinsam sind auch Schwache stark.“ Dieses Motto des Vereins „Freunde schaffen Freude“ ist seit 1984 Programm. Mit einem Fest unter Freunden feierte der Verein 30 Jahre gelobtes Miteinander und Hilfe für Menschen in Not. Als „nicht mehr wegzudenkende Institution“ würdigte Oberbürgermeister Bernhard llg die Gruppe.

Die Arbeit der Vorsitzenden Inge Grein-Feil lobte Landrat Thomas Reinhardt mit den Worten „Sie sorgen dafür, dass Schwache gemeinsam stark sein können“. Die Initiative ermögliche Teilhabe, schaffe Lebensfreude und sei ein wichtiger Bestandteil des sozialen Gefüges in der Region. „Jeder kann in eine Notlage kommen, in der Hilfe nötig wird“, sagte Reinhardt. Der Landkreis wolle den Verein auch weiterhin unterstützen, dessen Arbeit besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit ein wertvolles Geschenk sei. Der Rückblick auf 30 Jahre, in denen wertvolle Hilfe geleistet wurde, zeige aber auch, dass die Gesellschaft heute mehr denn je auf ehrenamtliches Engagement angewiesen sei. Nicht immer könne in Notlagen auf die Unterstützung der Familie zurückgegriffen werden. „Dass Fremde in solchen Situationen zu Freunden werden, ist nicht normal“, sagte Reinhardt.

Auch Oberbürgermeister Bernhard llg würdigte den Verein als eine nicht mehr wegzudenkende Institution, die über Landkreis-Grenzen hinweg ein stabiles Netzwerk der Hilfe bilde. Besonders imponierend sei, dass der Verein ohne professionelle Unterstützung bestehe, was nur durch eine Menge Herzblut und Engagement ermöglicht werde. Ein besseres Beispiel für gelebte Integration sei ihm persönlich nicht bekannt“, so llg. Die Tatkraft und Energie, die Inge Grein-Feil und ihr Ehemann Siegfried in den Verein steckten, sei bewundernswert. „Weiterhin viel Kraft und Schwung“ wünschte er den beiden für die Zukunft, schließlich gehe es um weitere 30 Jahre für den Verein.

Es sei eine eigene persönliche Notlage gewesen, aus der heraus der Verein 1984 entstanden sei, erinnerte Inge Grein-Feil an den Beginn von „Freunde schaffen Freude“. Direkt nach Gründung der Initiative in Dischingen und den Treffs in Aalen, bildeten sich Gruppen in Heidenheim und im Landkreis Dillingen. Unzählige Male habe der Verein in den zurückliegenden Jahren Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Inge Grein-Feil fühlt sich selbst „immer noch jung und voller Ideen“, ans Aufhören denkt sie nicht. Zu den Problemen, mit denen der Verein weiter zu kämpfen habe, zählte Grein-Feil die Situation des Behindertenfahrdienstes, durch den Menschen mit Handicap beispielsweise die Teilhabe an Freizeitaktivitäten ermöglicht werde. „Es fehlt an ehrenamtlichen Fahrern“, sagte Grein-Feil. Man dürfe aber nicht warten, bis der Staat agiere, sondern müsse selbst für ein menschenwürdiges, inklusives Miteinander sorgen.

Das Jubiläum wurde nicht nur in Heidenheim gefeiert: Im Vorfeld der Veranstaltung im Eugen-Loderer-Altenzentrum hatte es Feiern in Königsbronn, Dillingen und Aalen gegeben. Die Musik zur Heidenheimer Veranstaltung steuerte der Treffleiter und Sozialpädagoge Wolfgang Klaschka bei. Mit magischer Kleinkunst verzauberte Georg Stark die Gäste. Vor den Augen des Publikums ließ er als Zauberer Amadeus aus einem Blatt Papier einen Zwanzig-Euro-Schein werden, auf einer Zeitungsseite zwischen den Zeilen Gratulationsworte - erscheinen und Geldscheine sich auf wundersame Weise vermehren. Anschließend brachten die „Blues Brothers" mit einem 30-minütigen Repertoire aus dem Sommerstück des Naturtheaters den Raum zum Beben.

CHRISTINA BAUMGARTNER, Heidenheimer Zeitung