Konzeption

Der Aktion »Freunde schaffen Freude e.V.«

1.1. Eine Idee wird geboren.

Im Sommer 1984 ruft Inge Grein-Feil aus persönlicher Betroffenheit eine Initiative namens »Freunde schaffen Freude« ins Leben. Zugrunde liegt die Überzeugung, dass ein soziales Netzwerk Defizite des Individuums zu kompensieren vermag.

Zu dieser Überzeugung gelangt Inge Grein-Feil durch die persönliche Erfahrung dass eine körperliche Erkrankung zwar psychische Krisen hervorrufen kann, aber in Auseinandersetzung damit, auch die Frage nach dem Lebenssinn neue Antworten findet und eine ausgeprägte Sensibilität für die Bedürfnisse von Mitmenschen entsteht. In Vorträgen und Selbsthilfeseminaren versucht Inge Grein-Feil ihre Idee einer breiten Basis verständlich zu machen.

1.2. Es finden sich viele Menschen, die etwas für andere tun wollen oder die etwas von anderen haben wollen: Das soziale Netzwerk entsteht

Jung und alt, gesund und krank, behindert, einsam und in einem losen Sozialgefüge lebende Menschen finden den Weg zu FsF.

Der Ehemann Siegfried Feil und viele Freunde und Bekannte lassen sich von der Idee anstecken und wirken auf individuelle Weise an der Entstehungsgeschichte der Aktion mit. Die erste erfolgreiche Aktion der Gruppe ist das Sammeln von Geld für einen Rollstuhltreppenaufzug für eine schwerbehinderte Frau.

Mit viel Phantasie und Engagement macht sich die Gruppe an die Organisation von Veranstaltungen, deren Ziel eine gemeinsame Freizeitgestaltung von Menschen aus allen Schichten, mit allen möglichen Fähigkeiten und Defiziten ist. In der Umsetzung entsteht intensiver Kontakt zu Menschen, die z.T. schwerste Schicksale erlebt haben. Inge und Siegfried Feil engagieren sich seit Gründung ehrenamtlich für die Aktion ohne nach Arbeitsaufwand zu fragen.


2. Es bildet sich ein Verein

Im August 1984 wird der Verein »Freunde schaffen Freude e.V.« in Dischingen-Demmingen gegründet. Die Aktivitäten von Inge Grein-Feil und der um sie entstandenen Gruppen finden damit einen rechtlichen Rahmen. Der Verein macht sich die Hilfe für Menschen die aufgrund ihres körperlichen, geistigen und seelischen Zustandes auf Hilfe von anderen angewiesen sind zur Aufgabe. Die Unterstützung besteht in materieller und persönlicher Hilfe (§2 der Satzung).

Die Organe des Vereins sind der Vorstand und die Mitgliederversammlung. Weitere Gremien sind die Aktionsbesprechung und verschieden Arbeitskreise, z.B. "AK Begegnungsstätte". Mitglieder und Gönner werden durch die Infozeitung »Kleine Brücke« über die Aktivitäten von FsF informiert.


3. Der Verein findet Mitglieder

Zunächst treten Menschen aus der näheren Umgebung dem Verein bei, im Laufe der Jahre und mit steigendem Bekanntheitsgrad kann FsF Mitglieder aus der gesamten BRD und sogar aus dem Ausland hinzugewinnen (Stand 31.06.97: 353 eingetragene Mitglieder). Es gibt regelmäßige Gruppentreffen und Freizeitangebote, die von Menschen aus allen sozialen Schichten, unterschiedlichem Bildungsniveau, finanzielle Ressourcen, verschiedener Nationalitäten, mit und ohne Handicap wahrgenommen werden. Der erste Schritt zu einem sozialen Netzwerk ist getan. Erster Erfolg der Arbeit von Inge Grein-Feil ist die Übergabe eines 27.000,-- DM teuren Behindertenaufzugs durch FsF.

3.1. Außerdem etablieren sich Angebote zum gemeinsamen (offenen) Feiern an Terminen wie Heilig-Abend, Silvester, Ostern usw. FsF leistet damit einen wichtigen Beitrag auf psychosozialer Ebene. Es ist allgemein bekannt, dass Menschen, die nicht stabil sind, an Festen wie z.B. Weihnachten häufig ihr Alleinsein als Makel und Hilflosigkeit erleben und in Depressionen abgleiten können, die in Einzelfällen bis zum Suizid führen. Gerade im ländlichen Bereich füllt FsF hier eine Lücke an sehr neuralgischen Punkten unserer Gesellschaft.


4. Der Verein wird zum Anlaufpunkt für Menschen in besonderen Lebenssituationen

wie z.B. Menschen aller Alterstufen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, seelisch erkrankte Menschen, Kinder und Jugendliche mit sozialen Auffälligkeiten, alte Menschen, alleinstehende auch alleinerziehende Menschen nach Trennung oder Todesfall, sozial entwurzelte Menschen nach Umzug oder Arbeitsverlust, Familien u.a.

Die Art und Notwendigkeit der Arbeit von FsF überzeugt und findet Unterstützung durch

Personen wie Politiker, Pfarrer, Psychologen, Ärzte, Menschen "wie du und ich"

Institutionen wie Medien, Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbände, Krankenkassen, Firmen, Banken usw.

Gruppen wie Selbsthilfegruppen sämtlicher Problemlagen wie Sucht, Alleinerziehende, Rheuma- Krebs- neurologisch- oder psychisch Erkrankte, Kinderschutzbund, Angehörigengruppen u.a.

Die Aktion FsF trägt sich seit ihrer Gründung vor 13 Jahren finanziell selbst. Einnahmen gibt es durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Erlöse aus Veranstaltungen wie Flohmarkt, Tombola, Basar und durch geringe öffentliche freiwillige Leistungen.


5. Das Programm

Die Aktion »Freunde schaffen Freude« e.V. versteht sich als Netzwerk.

Netzwerk, das heißt vielfältige Begegnungen schaffen:

Offenheit

FsF steht für alle interessierten Menschen offen (Ende Juni 1999 weiter ca. 1.000 Zugehörige zusätzlich zu den Mitgliedern). Nach Überzeugung von FsF hat jeder Mensch Stärken und Schwächen, d.h. er braucht in einem Bereich Hilfe und kann dafür in einem anderen etwas geben. Gemeinsam werden damit die Schwächen ausgeglichen und die Stärken optimiert.

Kompensation durch Sozialkontakt

In den Gruppen der Aktion treffen sich Menschen, um ihre Talente einzubringen, weil sie Interesse für etwas haben, das andere Gruppenmitglieder bieten können und um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Persönliche Probleme treten durch Aufgabenstellungen und Erfolgserlebnisse in den Hintergrund und werden nicht mehr als zentraler Punkt des Daseins betrachtet. So wird auch manche "psychische Obdachlosigkeit" gemindert.

Initiative

Innerhalb von FsF bilden sich Interessen- und Aktionsgemeinschaften, wie Bastelkreise, Theatergruppen, Kegeltreffen, Arbeitskreise für Veranstaltungen, Zeltlager für Fußgänger und Rollstuhlfahrer, Altenheimbesuchsdienste, Besuchgruppe im Pflegeheim, Kinderbetreuungen u.a.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Individuum erlebt in der Aktion den eigenen Wert durch das Feedback anderer und die Erfahrung, dass in der Gruppe jeder zum Gelingen gemeinsamer Aktivitäten wichtig ist. Oft fehlt dann nur noch eine kleine Motivation, um das Selbstvertrauen zu haben, an der eigenen Situation etwas zu ändern. FsF kann mittlerweile auf einige Zugehörige blicken, die sich von Sozialhilfe gelöst und sich in denn Arbeitsprozess integriert haben.

Sinnfindung

Die Menschen in der Aktion »Freunde schaffen Freude« e.V. machen sich gemeinsam auf den Weg, Sinn für ihr Leben zu finden und sich Ziele in ihrem Leben zu setzen. Es werden regelmäßig Selbsthilfe-Seminare mit dem Thema "Ist Lebensfreude erlernbar?" angeboten, an deren Anschluss sich Gesprächskreise zur Vertiefung bilden.


Das Programm kommt an, es findet Unterstützung, auch bei

Menschen, die bereit sind, einen "ersten Schritt" zu tun.
Menschen, die bereit sind, sich humanitär für die eigene Sache und die Sache anderer einzusetzen
Menschen, die bereit sind, eigene Interessen einzubringen.
Menschen, die bereit sind, freiwillig Engagement zu bringen.
Menschen, die bereit sind, Neues dazuzulernen.
Menschen, mit dem Wunsch nach Kontakt zu anderen Menschen.
Menschen, mit dem Wunsch nach sinnvoller Freizeitgestaltung
Menschen, mit dem Wunsch nach gemeinsamen Aktionen und Erlebnissen.
Menschen, die Konfliktbereitschaft erlernen wollen.


Die Aktion arbeitet mit unterschiedlicher Methodik, um ihr Ziel, die Präsenz eines Netzwerks zu erreichen:

Soziale Gruppenarbeit: Gruppenabende
gemeinsame Freizeitaktivitäten
Offene Kontaktgruppen
Einzelfallhilfe: Einzelgespräche
Briefkontakte
Zusammenführen von Menschen mit gleichen Interessen
Vermittlung an bestehende Beratungsstellen und Einrichtungen
Kulturelle Veranstaltungen: Kleinkunst, Talentschuppen, moderne und historische Musik, Gesang, Lesungen, Theater, Erzählcafe.


6. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens interessieren sich für das Programm und unterstützen den Verein durch ihr Engagement und ihre Mitarbeit in einem Kuratorium.

Ministerpräsident Erwin Teufel unterstützt die Aktion durch seine Mitgliedschaft und Schirmherrschaft für die geplante Begegnungsstätte

Landrat Dr. Roland Würz aus Heidenheim erklärt sich bereit, in einem Kuratorium mitzuwirken. Diesem Kuratorium gehören auch Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlich relevanten Gruppen wie Kommune, Kirche, Wirtschaft, Medien, Sport, Justiz, Kultur, Politik, Medizin an.

Bürgermeister Bernd Hitzler aus der Heimatgemeinde der Aktion ist ebenfalls Mitglied und stellt ein kostenloses Grundstück für die Begegnungsstätte zur Verfügung. Auch seine Mitwirkung am Kuratorium hat er zugesichert. Weitere Persönlichkeiten aus dem Landkreis Heidenheim, und darüber hinaus, zeigen Interesse, auch die Medien. Überhaupt wird die Aktion seit Gründung bestens durch die regionalen Medien gefördert.

Die Anerkennung gipfelt im Oktober 1995 durch die Verleihung der Verdienstmedaille der BRD an Inge Grein-Feil für Ihre Verdienste um die Aktion FsF.


7. Mitgliedschaft im Dachverband

Im Juni 1997 wird »Freunde schaffen Freude« e.V. Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, Landesverband Baden-Württemberg e.V. (DPWV). Ziel davon ist, mehr öffentliche Akzeptanz durch entsprechende Kontrolle sowie Beratungs-, Informations- und Bildungsangebote.